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Buchbesprechungen
Der innere Ausstieg
Transgenerationale Gewalt überwinden
Autorin: Michaela Huber
Verlag: Books on Demand GmbH, 2018
ISBN: 978-3-7528-2148-2
Seiten: 352
CHF 51.90
Michaela Huber hat 50 Personen befragt, was sie sich zum Thema «Überwindung und Befreiung aus destruktiven Bindungen» vorstellen. Herausgekommen ist ein Buch mit Erfahrungsberichten von Menschen, die in Bindungen Gewalt erlebt haben, und ihrem Prozess der Loslösung.
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Es kommen ebenso Therapeutinnen zu Wort, die berichten, wie sie Kinder und Erwachsene in diesem Prozess begleiten.

Darin finden sich Texte von Menschen, die «Viele» sind. Menschen, die uns ihren inneren Schmerz und ihre Verzweiflung zeigen. Mütter, die berichten, wie sie selbst zu Zeuginnen von Gewalt an Kindern wurden.
Es geht überhaupt viel um Mütter in diesem Buch. Mütter als Täterinnen, Mittäterinnen, zulassende Zeuginnen.  

Es ist kein Fachbuch, welches distanziert Entwicklungen und Methoden bereitstellt. Es ist kein Buch, welches uns in den subjektiven Ressourcenhimmel führt.

Inhaltlich machen alle Texte deutlich, dass es keinen Weg am Schmerz vorbei gibt und es auch nur diesen Weg gibt, will man sich innerlich von destruktiven Bindungen lösen. Die Texte beschreiben, dass die Therapie nicht gradlinig verläuft, viel infrage gestellt ist. «Kann ich ihr vertrauen?» «Hält sie das aus?»

Die Illustrationen von Janina Röhrig sind fantastisch und begleiten nicht nur die Texte, sondern stehen für sich selbst.

Ich empfehle das Buch von Gewalt betroffenen Menschen, damit sie sich lesen und wiederfinden können, und allen Fachpersonen, um besser zu verstehen und zu lernen.

Karin Jochens, eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin
Mein bester Freund ist unsichtbär
Eine Geschichte vom Mutigsein
Autorin / Illustration: Annette Herzog / Christine Kugler
Verlag: Arena, 2018
ISBN: 978-3-401-7105-5
Seiten: 32
CHF 17.90
Mir gfalt es sehr, weil es hat viel Fantasie.
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Das Buch ist geeignet vom Kleinkind bis zehn Jahren. Das Buch lernt: Wenn man eine/n Freund/in verliert heisst das nicht, dass man keine Freunde mehr finden kann, sondern man hat immer wieder die Chance für eine neue Freundschaft. Zu dieser Geschichte fiel mir noch ein Sprichwort ein: Freunde sind sehr kostbar, man kann sie zwar nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Joëlle, 11 Jahre alt
Die Narben der Gewalt
Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden
Autorin: Judith Herman
Verlag: Junfermann, 2018, 5. Auflage
ISBN: 978-3-95571-624-0
Seiten: 400
CHF 59.90
Judith Herman leitet ein Programm über Opfer von Gewalttaten am Cambridge Hospital und ist Professorin für klinische Psychologie an der Harvard Medical School. Sie beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit Opfern von sexueller und häuslicher Gewalt. Bereits 1992 erschien die erste Auflage ihres Buches «Die Narben der Gewalt» und wurde ein Bestseller. 2015 fasste sie die neusten Forschungsergebnisse und Entwicklungen zusammen und ergänzte den Klassiker damit. Dieses Buch spiegelt ihre langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen als Opfer von sexueller und häuslicher Gewalt wie auch von Krieg und von politischem Terror wider.
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Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert. Der erste Teil ist dem Thema der traumatischen Störungen gewidmet. In diesem Abschnitt beschäftigt sich die Autorin unter anderem mit dem historischen Hintergrund und präsentiert die Geschichte der Etablierung sowie der Tabuisierung der Psychotraumaforschung. Umfangreich beschreibt sie die Bandbreite der menschlichen Reaktionen auf traumatisierende Ereignisse, von den Folgen eines einzigen, überwältigenden Erlebnisses bis hin zu den vielschichtigen Folgen lang dauernder und wiederholter traumatischer Erfahrungen. Judith Herman widmet ein ganzes Kapitel dem Thema «Kindesmissbrauch», indem sie die wichtigsten Anpassungsstrategien der Betroffenen erläutert und sich ausserdem auf die möglichen Auswirkungen im Erwachsenenalter bezieht. Ferner setzt sie sich mit der «komplexen posttraumatischen Belastungsstörung» auseinander, unter Einbezug der neusten Erkenntnisse der Traumaforschung.

Im zweiten Teil wird der Verlauf des Heilungsprozesses traumatisierter Menschen dargelegt. Die Autorin erläutert die wichtigen Phasen der Genesung: Sicherheit herstellen, Erinnern und Trauern, ein neues Selbst entwickeln. Sie erklärt, warum die Wiederherstellung von Sicherheit und Kontrolle so wichtig ist. Judith Herman thematisiert zudem die Barrieren der Amnesie und beschreibt den therapeutischen Umgang damit. Nicht zuletzt zeigt sie auf, welche Bedeutung der Rolle der Psychotherapeutin / des Psychotherapeuten und deren Interventionen in Bezug auf den Heilungsprozess zukommt bzw. mit welchen besonderen Herausforderungen diese konfrontiert sind.

Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die Entstehung traumatischer Störungen, deren Folgen sowie den Prozess der Heilung und fördert dadurch das Verständnis für Betroffene. Judith Herman bezieht nicht nur fachlich, sondern auch politisch und ethisch Stellung. Sie wendet sich sowohl an Fachpersonen wie auch an Angehörige und interessierte Laien. Ihr Buch ist sehr gut lesbar und wird durch zahlreiche Fallbeispiele aufgelockert.

Andrea Hofmann, CASTAGNA
SOS Gefühlschaos
100 Übungen zum Umgang mit starken Gefühlen
Autoren: Julia Rossa, Robert Rossa
Verlag: Beltz, 2018
ISBN: 978-3-621-28582-7
Seiten: 100 Karten mit 12-seitigem Booklet
CHF 49.90
Das Kartenset «SOS Gefühlschaos» stellt Fertigkeitsübungen zur besseren Emotionsregulation bei starken Gefühlen vor. Es werden auf 100 anregend gestalteten Karten Übungen vorgestellt, in welchen mit starken Reizen (z. B. Düften, Bewegungen, taktilen Reizen, Gedankenfokussierung) einer emotionalen Überflutung entgegengewirkt wird.
 
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Die Übungen wurden mit Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren entwickelt und sollen diese befähigen, in Situationen mit erhöhtem Stress ihr Spannungsniveau wirksam zu regulieren und auch unmittelbar Stress abzubauen. Auf der Vorderseite veranschaulicht jeweils ein Foto die Übung, die auf der Rückseite beschrieben ist. Die Übungen wurden ursprünglich im Kontext delinquenter Jugendlicher entwickelt, helfen aber generell dabei, Anspannung abzubauen, Gefühle achtsam und bewusst wahrzunehmen, positiven Gefühlen mehr Raum zu geben und negative Empfindungen abzuschwächen. Die Karten können vielfältig im therapeutischen, beraterischen oder pädagogischen Setting eingesetzt werden, eignen sich als Hausaufgaben und die Übungen variieren in der Intensität. Die grosse Auswahl an Übungen lässt Raum, damit die Jugendlichen unter Anleitung einer Fachperson ihre individuelle Notfall-Box zusammenstellen können, mit Hinweisen dazu, welche Übung in welcher Situation am besten hilft. Oft werden einfache Materialien für die Übungen benötigt, es sind aber auch ganz simple Übungen ohne Hilfsmittel für unterwegs dabei. Das beiliegende Booklet gibt Anregungen zur Anwendung und enthält kurze Ausführungen über Entstehung, Zielsetzung und Wirksamkeit. Auf der Homepage des Verlages stehen zudem Online-Materialien als Hilfsmittel bei der Umsetzung zum Download zur Verfügung.

Lilian Schaad, CASTAGNA
Flemming Ein Frosch will zum Ballett
Autorin / Illustration: Amka Ackermann / Stefanie Reich
Verlag: Ravensburger 2018
ISBN: 978-3-473-44707-7
Seiten: 32
CHF 19.90
Flemming ist ein Frosch, der mit den Libellen tanzen will. Kann ein Frosch mit einem dicken Bauch, einem breiten Nacken und Platsche-Flossen-Füssen Ballett tanzen?
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In diesem wunderschön bebilderten Buch geht es darum, dass man manchmal etwas versuchen sollte, auch wenn die anderen skeptisch sind oder einen sogar auslachen. Es geht nicht immer darum, berühmt zu werden. Es geht auch nicht immer darum, gelobt zu werden. Manchmal genügt es ganz einfach, dass es Freude macht.

Das Buch ist für Kinder ab ca. 3 Jahren zum Vorlesen geeignet.

Isabelle Zolliker, CASTAGNA

 
Das magische Baumhaus – Im Reich der Mammuts
Autorin: Mary Pope Osborne
Verlag: Loewe, 2001, 11. Auflage
ISBN-13: 978-3-7855-4005-3
Seiten: 96
CHF 12.90
Es geht um zwei Kinder, die mit dem Badeanzug in die Eiszeit reisten.
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Ich finde es spannend, weil man ein besseres Bild hat wie es früher ausgesehen hat.

Ich würde es anderen Kindern weiterempfehlen, weil man viel lernen kann und es eines der einzigen Bücher ist, dass spannend ist, aber keine Gewalt hat.

Joëlle, 11 Jahre alt

Viele Grüsse, Deine Giraffe
Autorin / Illustration: Megumi Iwasa / Jörg Mühle
Verlag: Moritz, 2017
ISBN: 978-3-89565-337-7
Seiten: 112
CHF 16.90
In dem freundlich illustrierten Kinderbuch «Viele Grüße, Deine Giraffe» treffen eine Giraffe und ein Pelikan auf einen Pinguin und einen Wal. Die Giraffe und der Pelikan aus der südafrikanischen Savanne leiden unter Langeweile. Das führt die beiden zusammen und zu weiteren neuen Bekanntschaften. Die Autorin, Megumi Iwasa, schrieb diese Geschichte nach einem Traum.
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Endlich findet Giraffe einen erfreulichen Zeitvertreib und kommt durch ihre Briefe mit Pelikan in Kontakt. Der hat gerade einen Postdienst eröffnet und so beginnt für beide eine aufregende Zeit; für Pelikan die erste Postlieferung und für Giraffe die Vorfreude auf eine Antwort vom Kap der Wale, wo Pinguin lebt.
Beim alten und weisen Professor Wal besucht Pinguin die Schule. Gemeinsam versuchen Lehrer und Schüler herauszufinden, was ein Hals ist. Sie können sich Giraffe mit ihrem langen Hals einfach nicht vorstellen.
Eines Tages beschliesst Giraffe, Pinguin zu besuchen – als Pinguin verkleidet.

Megumi Iwasa schreibt auf humorvolle Art über Langeweile, Freundschaft, Kreativität, Geduld und Empathie. Das Buch eignet sich für Kinder ab 6 Jahren, zum Vor- oder Selberlesen.


Katja Schäuble, CASTAGNA

Sexueller Missbrauch in Familie und Institutionen
Psychodynamik, Intervention und Prävention
Autorin: Magdalena Stemmer-Lück
Verlag: Kohlhammer, 2013
ISBN: 978-3-17-021985-4
Seiten: 188
CHF 30.90
Die beiden Autorinnen möchten mit ihrem Buch aufzeigen, wie sexueller Missbrauch* funktioniert und dadurch die Wahrnehmung von Fachleuten schärfen. Ihr Fokus liegt auf sexuellen Übergriffen an Kindern und Jugendlichen durch erwachsene Täter und Täterinnen.
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Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Kapitel wird das Phänomen des sexuellen Missbrauchs von verschiedenen Seiten beleuchtet. Was bedeuten solche Übergriffe für die Betroffenen? Wie geht es ihnen? Was sind die möglichen Folgen? Zudem geht es um die Täterdynamik, die Tätertypen, ihre Motivation und ihre Strategien. Ergänzend wird auf die Dynamik in Institutionen eingegangen, auf das Phänomen der «Macht des Feldes», das (mit-)erklärt, warum sexuelle Ausbeutung in einer Einrichtung von den Mitarbeitenden oft sehr spät oder gar nicht wahrgenommen wird: Es ist schwierig, als Teil einer Einrichtung diese gleichzeitig kritisch von aussen zu betrachten und zu analysieren.  

Die vorgestellten Interventionsschritte stimmen weitgehend mit den in diesem Heft beschriebenen überein. In zivil- und strafrechtlicher Hinsicht sind sie allerdings nur bedingt auf die Schweiz übertragbar. Eine grundlegend andere Haltung haben wir (und unsere Strafbehörden) bezüglich der Konfrontation mutmasslich tätlicher Personen. Während die Autorinnen eine solche in bestimmten Situationen empfehlen, raten wir, wie in unserem Einleitungstext beschrieben, ausdrücklich davon ab!

Zum Verständnis der theoretischen Ausführungen und der Missbrauchsdynamik werden sehr anschauliche Fallbeispiele vorgestellt und auch interpretiert. Beschrieben werden das Verhalten und Erleben der betroffenen Person, der Prozess der Aufdeckung, das Vorgehen der tätlichen Person, die Reaktionen der Umgebung und die (z. T. fehlenden) Interventionen. In diesen Beispielen werden die mutmasslich tätlichen Personen häufig konfrontiert und sogar betroffene Kinder befragt, wobei teilweise deutlich wird, dass ein solches Vorgehen nicht hilfreich oder gar fatal sein kann.

Im dritten Teil des Buches geht es um Präventionsmassnahmen wie Anstellungskriterien für Mitarbeitende, Beizug externer Beratungsstellen für Präventions- und Interventionskonzepte sowie Präventionsprogramme für Kinder, Jugendliche und Eltern.

Das Buch gibt einen guten Einblick in die Thematik. Da der rechtliche Teil (bezogen auf Deutschland) im Vergleich mit anderen Fachbüchern aus Deutschland nicht sehr viel Raum einnimmt, bietet es sich auch für Fachleute in der Schweiz gut an.

* Anmerkung CASTAGNA: In der Schweiz wird der Begriff Missbrauch im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung in der Regel vermieden, da er einen sexuellen Gebrauch impliziert. In Deutschland – und so auch im beschriebenen Buch – wird dieser Begriff hingegen häufig verwendet.

Isabelle Zolliker, CASTAGNA
Das beste überhaupt – Meerschwein sein
Autor / Illustration: Lorenz Pauli / Kathrin Schärer
Verlag: Atlantis, 2013
ISBN-13: 978-3-7151-0666-0
Seiten: 32
CHF 23.90
Miro weiss wirklich nicht, was ihn bei der Wahl zum «besten Meerschwein überhaupt» qualifizieren könnte. Er ist der Meinung, er könne nichts besonders gut. Schliesslich helfe er den anderen nur ab und an und sei «doch einfach mittendrin».
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Im Gegensatz zu anderen Meerschweinen, die sportlich, klug und wagemutig sind. Überraschend kommen daher die Stimmen der anderen Meerschweinchen für Miro, als sie diese Hilfsbereitschaft anpreisen und betonen, wie viel Mühe er sich bei allem gibt. So wird Miro ganz unerwartet zum «besten Meerschwein überhaupt» gewählt.
Ein wunderbares Bilderbuch, das Mut zur Durchschnittlichkeit macht, in dem es nicht darum geht, ganz besonders sein zu müssen und um jeden Preis aufzufallen. Im Gegenteil: Es sind die kleinen, alltäglichen Dinge, die uns ausmachen und die für unsere Freunde von Bedeutung sind. Wir brauchen keine Superhelden, sondern verlässliche Freunde. Ein Buch zum Vorlesen für 4- bis 6-Jährige, das mit vielen fröhlichen, ansprechenden Bildern gestaltet ist.

Katja Schäuble, CASTAGNA
Milchmädchen
Autor: G. R. Gemin
Verlag: Carlsen, 2016
ISBN: 978-3-551-56026-1
Seiten: 272
CHF 23.90
Im Zentrum dieses Buches stehen 12 Kühe sowie eine sich überraschend und zaghaft entwickelnde Freundschaft zwischen der 13-jährigen Gemma und der gleichaltrigen Kate. Beides trägt massgeblich dazu bei, dass eine anfangs düstere und trostlose Umgebung nach und nach farbiger und lebendiger und dass aus anfänglichen Einzelkämpferinnen eine Gemeinschaft wird.
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Während im Lauf der Geschichte Gemma an Selbstbewusstsein und Authentizität gewinnt, gelingt es Kate wiederum, ihre «harte Schale» auch mal abzulegen und sich von einer anderen Seite zu zeigen. Eine schöne Entwicklung beider Charaktere.
Dem Autor ist es gelungen, eine Geschichte zu schreiben, die Mut macht und zum Schmunzeln anregt, ohne dass dabei die Schattenseiten des Lebens ausgelassen oder beschönigt werden.

Noëmi Vasella, CASTAGNA
Verkörperter Schrecken
Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann
Autorin: Bessel van der Kolk , M.D.
Verlag: G.P. Probst GmbH, 2016
ISBN: 978-3-944476-13-1
Seiten: 496
CHF 45.50
Bessel van der Kolk, Professor für Psychiatrie und medizinischer Leiter des Trauma Centers in Brookline, Massachusetts/USA, liefert in diesem Buch eine umfassende Beschreibung (unterschiedlicher) traumatischer Erfahrungen, deren vielfältiger, oft komplexer und anhaltender Folgen sowie der Möglichkeiten deren Bewältigung. Er erzählt aus 40 Jahren Berufserfahrung und beginnt mit einem historischen Rückblick. Dabei berichtet er nicht nur über seine Erkenntnisse, sondern auch, wie er sie gewonnen hat: vor allem durch seine Patienten, in (interdisziplinärer) Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten und aus der Forschung. Es geht ihm darum, Traumafolgen und Zusammenhänge besser zu verstehen und Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
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Während seines Berufslebens hat er erkannt, wie viele Menschen in der Kindheit misshandelt und sexuell ausgebeutet wurden und dass weiterhin Jahr für Jahr unzählige Kinder misshandelt, ausgebeutet, vernachlässigt und – falsch behandelt werden.
Wichtig ist van der Kolk die Unterscheidung der Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten (anhaltend) traumatischer Erfahrungen im Kindesalter – vor allem durch Bezugspersonen – und solcher im Erwachsenenalter. Ein Teil des Buches befasst sich ausschliesslich mit dem entwicklungsbezogenen Trauma, das die Entwicklung der neuronalen Verbindungen zwischen Gehirn und Körper beeinflusst und beeinträchtigt. Gleichzeitig betont er immer wieder, wie Beziehungen und Interaktionen im jungen Alter Geist und Gehirn formen und dem Leben Sinn geben.

Er gelangt zur Erkenntnis, dass trotz teils intensiver Forschung Traumafolgestörungen immer noch oft unerkannt bleiben, weil sie nicht ins klassische PTBS-Schema passen und entsprechend nur symptomatisch behandelt werden.

In einem eigenen Teil beschäftigt sich van der Kolk mit den traumatischen Erinnerungen, dem Problem der traumatischen Erinnerung und der (oft) unerträglichen Schwere des Erinnerns.

In der zweiten Hälfte des Buches beschreibt er verschiedene Therapieformen, die er in der therapeutischen Traumaarbeit als hilfreich kennengelernt hat, wie z. B. EMDR, Neurofeedback, aber auch Yoga, Theater etc. Der Autor lässt die Leserin, den Leser an seinen eigenen Erfahrungen als Therapeut, aber auch an seiner Selbsterfahrung teilnehmen, was das Lesen besonders leicht macht. Er zeigt auf, welche Therapieformen für welche Klient(inn)en besonders hilfreich oder eben auch schwierig sind, und fasst hierzu spannende Forschungserkenntnisse zusammen. Es wird begreifbar, wie es in Menschen mit einem «traumatisierten Gehirn» aussieht, welchen Schwierigkeiten sie ausgesetzt sind und wie sie sich fühlen. Dies ist eine wichtige Grundlage für alle therapeutisch tätigen Menschen.

Man muss das Buch nicht «studieren», sondern kann es flüssig lesen. Das Engagement des Autors ist bei allen Therapiebeschreibungen stark spürbar. Zum Teil vermittelt er eine etwas sehr grosse Zuversicht in seinen Erläuterungen, die man wohl der amerikanischen «Optimismus-Kultur» zuschreiben kann, gleichzeitig ist seine Zuversicht aber auch ganz einfach ansteckend, was allen Menschen, die mit dem Thema «Trauma» zu tun haben, sicher zuträglich ist.

Seine Schilderungen sind anschaulich, mit vielen Fallbeispielen und Forschungsergebnissen gespickt, sodass das Buch auch für interessierte Nichtfachleute geeignet ist. Aufgrund der Fallbeispiele empfehlen wir es für Betroffene nur bei ausreichender Stabilität.

Nadia Beier und Isabelle Zolliker, CASTAGNA