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Als Fachperson adäquat reagieren können
Es ist verständlich, dass Sie etwas unternehmen möchten, wenn Sie von sexueller Ausbeutung erfahren. Wir möchten Sie dabei unterstützen.
Die Konfrontation mit dem Thema sexuelle Ausbeutung löst in Ihnen als Fachperson womöglich schwer auszuhaltende Gefühle wie Ohnmacht, Hilflosigkeit oder Wut aus. Handeln Sie nicht aus dieser Betroffenheit heraus; sie ist keine gute Ausgangsbasis. Nehmen Sie sich Zeit und überstürzen Sie nichts!

Die Beziehung zwischen Ihnen als Fachpersonen und der Person, die sexuelle Ausbeutung erlebt oder erlebt hat, muss unbedingt geschützt und erhalten werden. Bleiben Sie in Ihrer Rolle und überlassen Sie andere Aufgaben – wie rechtliche Beratung, Pflege des Kontakts zur Herkunftsfamilie oder Gewährleistung des nötigen Schutzes – einer spezialisierten Fachstelle.

Respektieren Sie unbedingt die Grenzen des betroffenen Menschen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich Ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen vor Augen halten – und zwar sowohl in Ihrer Rolle als Fachperson als auch persönlich. Überfordern Sie sich nicht selbst mit Ihren Hilfebestrebungen.

Im Vordergrund Ihrer Hilfestellung sollten der Schutz, die Sicherheit, die Stabilisierung und das Wiedererlangen von Kontrolle seitens der betroffenen Person stehen. Informieren Sie diese auch über weitere Hilfsangebote, wie zum Beispiel CASTAGNA.

Betrachten Sie die betroffene Person nicht nur als Opfer, sondern gehen Sie ressourcenorientiert vor. Drängen Sie sie deshalb weder zur – eventuell retraumatisierenden – Schilderung der traumatischen Geschehnisse noch zu Handlungen wie zum Beispiel dem Erstatten einer Anzeige, Machen Sie ihr zudem keine Versprechen, die Sie unter Umständen nicht halten können.

Wenn Sie etwas unternehmen wollen, so handeln Sie nicht auf eigene Faust oder gar ohne Wissen der Betroffenen, sondern informieren Sie diese altersgemäss über die von Ihnen geplanten Schritte. Wenn Sie unsicher sind und Unterstützung benötigen, tauschen Sie sich mit KollegInnen aus oder wenden Sie sich an eine spezialisierte Beratungsstelle wie z. B. CASTAGNA.

Ganz wichtig: Vermeiden Sie auf jeden Fall eine Konfrontation mit dem mutmasslichen Täter und seiner Familie ohne vorhergehende Rücksprache mit einer Fachstelle!