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Unsere Themenhefte
TRAUMA ERINNERN
Themenheft 2017 / Jahresbericht 2016
CHF 10.– bestellen
Im Rahmen meiner journalistischen Arbeit unterhalte ich mich regelmässig mit Mitarbeitenden eines grösseren Betriebs im Kanton Zürich. Frauen und Männer erzählen mir in einem etwa einstündigen Gespräch aus ihrem Leben, von einst und von heute, und ich bringe das Gehörte dann zu Papier.
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Wenn ich meinen Gesprächspartnerinnen und -partnern dann den in Ich-Form gehaltenen Bericht, mit dem sie sich in der Hauszeitung den rund 300 Kolleginnen und Kollegen näher vorstellen werden, zur Prüfung vorlege, ist das stets ein schöner Moment. Immer wieder erlebe ich mit, wie beglückend es sein kann, sich selber in Worten dargestellt zu finden, sich zu erkennen in einer persönlichen Lebenserzählung. «Das bin ich!» Es geht um Identität, um ein Sich-Zeigen, um Verortung im Strudel der Zeit, um Daheimsein bei sich selber. Möglich  macht das unser explizites Gedächtnis – mehr dazu auf den folgenden Seiten.

Der Schwerpunkt des vorliegenden Themenhefts liegt allerdings auf unserem Umgang mit Ereignissen, deren schmerzliche Wucht zu gross ist, als dass das Gehirn sie auf normale Weise «ablegen» könnte. Das CASTAGNA-Team hat dafür betroffene Personen und weitere Fachleute nach ihren Erfahrungen mit Erinnerungen an traumatische Ereignisse gefragt. Ihre Berichte finden Sie in diesem Heft; ihnen allen sei herzlich gedankt. Ergänzend geben die CASTAGNA-Beraterinnen selber Einblick in die in ihrer Arbeit gesammelten Erfahrungen und fassen zudem den allgemeinen Stand der Erkenntnisse zusammen.

Traumatische Erinnerungen werden nur fragmentiert gespeichert; die Betroffenen tragen in der Folge rohe, kantige, verstörende Erinnerungssplitter in sich herum, die sich oft nicht einordnen und benennen lassen. «Was im Kopf nicht auszuhalten ist, lässt sich nicht in Worte fassen und berichten», schreibt eine der Autor(inn)en des Themenhefts. Gleichzeitig drängen diese Splitter jedoch an die Oberfläche, wollen «erlöst» und Teil des roten Fadens werden, den wir durch unser Leben legen. Ein langer, schmerzlicher Prozess, der oft zusätzlich erschwert wird durch ein «Nicht-glauben-Wollen», durch Anzweifeln der Erinnerungen durch Dritte und durch sich selbst.

Aber auch wenn es nirgendwo festgeschrieben ist: Es gibt ein Menschenrecht auf die eigenen Erinnerungen. Es gibt ein Recht auf die Auflösung quälender Bilder und Gefühle und auf ihre Integration in die eigene Geschichte. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein CASTAGNA unterstützen Sie die Arbeit der Beratungsstelle und tragen so dazu bei, dass Betroffene mit kundiger Begleitung und in ihrem eigenen Tempo zu einer neuen, beglückenden Ganzheit finden können.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Kleine Tricks mit grosser Wirkung
Rezepte zur Stabilisierung bei Traumafolgen und anderen Belastungen für Sie zusammengestellt von der Beratungsstelle CASTAGNA
Themenheft 2016 / Jahresbericht 2015
CHF 10.– bestellen
Das Leben zu leben, ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Gutes und Schwieriges, Abschiede und Neuanfänge, Höhenflüge und Schicksalsschläge wechseln sich ab – und immer ist man damit letztlich ganz allein. Da ist es hilfreich, ein persönliches Notfallrezept dabeizuhaben, für den Fall, dass man strauchelt, Angst bekommt, ins Rudern gerät.
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Ich selbst suche in Zeiten, in denen ich zu stolpern drohe, jeweils einen mächtigen alten Baum auf und setze mich unter ihn. Wie viele Jahrzehnte, wie viele Menschenleben lang steht er wohl schon da? Ich versuche, mir das vorzustellen, und spüre, wie ich ruhiger werde. Der Baum strahlt eine wohltuende Beständigkeit aus. Wenn ich schliesslich weitergehe, ist mein Schritt wieder sicherer.
Manche Menschen müssen im Leben Erfahrungen machen, deren schmerzhafte Intensität zu mächtig ist für sie – zum Beispiel sexuelle Ausbeutung. Das Erlebte kann nicht verarbeitet werden und einfach wegschieben lässt es sich auch nicht, weil das Gehirn und der Körper es gespeichert haben. Sobald ein Alltagsreiz daran rührt, können die damit verbundenen Bilder, Empfindungen und Gefühle erneut über die Betroffenen hereinbrechen. Wer ein Trauma mit sich herumträgt, muss lernen, damit zu leben.
Im vorliegenden Themenheft finden sich unzählige Rezepte, die helfen können, diese Aufgabe zu meistern. Es ist ein wunderbares Heft – gefüllt mit kreativen, überraschenden, lustvollen, klugen, im Alltag leicht umsetzbaren Vorschlägen, wie Angst, Stress und schlimme Gefühle zumindest vorübergehend ausgetrickst werden können. Auch nicht traumatisierte Menschen können davon profitieren. Das Themenheft zeigt uns allen, wie wir unsere positiven Ressourcen mobilisieren können – indem wir zum Beispiel Kuchenteig kneten, in die Natur hinausgehen oder mental in einen Zitronenschnitz beissen. Von sexueller Ausbeutung Betroffene werden zudem darauf hingewiesen, wie viel mit einer traumaspezifischen Therapie erreicht werden kann, und ermutigt, sich auf diesen Weg einzulassen, wenn die Zeit dafür reif ist.
Das CASTAGNA-Team hat ebenfalls eine Reihe von Rezepten zusammengetragen und gibt damit sein Wissen, seine Erfahrungen und seine Erkenntnisse weiter. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein CASTAGNA können Sie die Arbeit der Beratungsstelle materiell und ideell unterstützen.
Zum Schluss sei allen Autorinnen und Autoren, die auf den folgenden Seiten ihre Tipps, Tricks und Methoden präsentieren, ganz herzlich gedankt. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir eine interessante Lektüre – und viel Erfolg beim Ausprobieren!

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Lob und Kritik an die Adresse der Schweiz
Themenheft 2015 / Jahresbericht 2014
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Am Anfang stand ein Aufruf. Unter dem Titel «Wie die Schweiz mit sexueller Ausbeutung von Kindern umgeht – Lob und Kritik» appellierte CASTAGNA im Frühling 2014 an ein breit gefächertes Spektrum von Personen, doch ein entsprechendes Votum abzugeben.
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In diesem Themenheft finden Sie nun die bei uns eingetroffenen Stellungnahmen, verfasst von Betroffenen, von Politikerinnen, von Fachleuten aus verschiedensten Bereichen und von Besuchern unserer Website. Ergänzt werden sie durch Inputs des CASTAGNA-Teams. Alle zusammen zeichnen sie ein eindrückliches Bild einer Gesellschaft, in der Opfer (nicht nur von sexueller Ausbeutung) trotz aller in den letzten Jahrzehnten erzielten Fortschritte nach wie vor viel zu oft alleingelassen werden mit dem, was ihnen widerfahren ist.

«Du Opfer» – ein gängiges Schimpfwort unter männlichen Jugendlichen. Gemeint ist damit: «Du Schwächling, du Versager.» Opfer sein ist definitiv nicht cool. Opfern gegenüber liegt Abgrenzung oft näher als Solidarisierung. Der Blick auf den Täter, seine Persönlichkeit, seine Beweggründe fällt da vergleichsweise leichter. Eine Form von «Täterfreundlichkeit», wie sie in diesem Themenheft in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder angesprochen wird.

Wie lässt sich «Opferfreundlichkeit» fördern? In der Rechtsprechung, im Alltag, in der Politik, in den Medien? Wir brauchen ein ganzheitlicheres Bild von Opfern – ein Bild, das betroffene Personen nicht auf ihr Opfersein reduziert, sondern auch ihre anderen Seiten zeigt. Eine in der Kindheit ausgebeutete Frau erzählt in diesem Themenheft von ihrer Zurückhaltung, sich jemandem anzuvertrauen: «Zu gross ist die Angst, dass man nachher den Stempel ‹Opfer› an sich kleben hat und man nicht mehr sieht, was ich sonst noch so in meinem Leben mache.»

Der Schriftsteller Franz Kafka hat einmal gesagt: «Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.» Mit diesem Themenheft laden wir von CASTAGNA Sie ein, mit uns den Weg zu einem opfergerechten Umgang mit dem Thema der sexuellen Ausbeutung weiterzugehen, ihn gemeinsamen Schrittes weiter zu verbreitern und zu ebnen. Sie können dies auch mit einer Mitgliedschaft im Förderverein CASTAGNA tun, der uns materiell und ideell unterstützt – und damit indirekt auch die Personen, die sich an uns wenden.

Abschliessend bedanken wir uns bei allen – den Betroffenen, den Therapeuten und Heimleiterinnen, den Anwältinnen und Lehrern, den Sozialarbeitern und Polizistinnen, den Websitebesucherinnen und den Politikern – nochmals ganz herzlich. Und halten fest: Bei diesen Bezeichnungen ist das andere Geschlecht stets mitgemeint. Diese Regelung gilt im ganzen Heft, auch beim Begriff des Täters, den wir jedoch nur in seiner männlichen Form verwenden.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Sexuelle Ausbeutung von Kindern
Themenheft 2014 / Jahresbericht 2013
CHF 10.– bestellen
Sexuelle Ausbeutung von Kindern ist auch 2013 wiederholt in den Medien thematisiert worden. Der Begriff ist heute viel geläufiger als vor zehn, zwanzig Jahren. Doch wissen wir wirklich, was darunter zu verstehen ist? Halten wir uns die Tat und ihre Auswirkungen auf das Opfer und sein Umfeld in vollem Umfang vor Augen?
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Das vorliegende ist ein Grundlagenheft. Es will Sie offen und direkt darüber aufklären, worum es bei sexueller Ausbeutung von Kindern wirklich geht, auf welche verschiedenen Arten sie geschehen kann und was die erlebte Gewalt für die weitere Entwicklung der Mädchen und Jungen bedeutet. Das ist wichtig. Denn nur wer genau Bescheid weiss, kann Betroffene adäquat unterstützen.

Sexuelle Ausbeutung hat viele Aspekte. Einerseits ist sie Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und Machtverhältnisse, die auch heute noch ermöglichen, dass immer wieder über Kinder einfach verfügt wird. Anderseits findet sexuelle Ausbeutung von Kindern mehrheitlich im kleinen Kosmos der Familie statt; sie geht in der Regel mit dem Missbrauch von Vertrauen und Zuneigung, mit dem Ausnutzen von Nähe und Abhängigkeit einher.

Gewalt und Intimität – eine Konstellation, die grössten Schmerz nach sich zieht. Was sich kaum in Worte fassen lässt, ist in diesem Themenheft unter anderem anhand der Erinnerungen einer jungen, von ihrem Vater ausgebeuteten Frau, die von diesem als «meinem Täter» spricht, zu erahnen.

Der von den Beraterinnen von CASTAGNA gemeinsam verfasste einleitende Beitrag, die weiteren Fachtexte und die Erfahrungsberichte von Klientinnen sind mit Szenen aus einem Märchen der Gebrüder Grimm illustriert. Das ist kein  Widerspruch. Das Rotkäppchen – das arglose Mädchen, das dem bösen Wolf begegnet und dessen Bosheit nicht rechtzeitig erkennen kann – passt durchaus in dieses Heft. Das warme, kräftige Rot seiner Kappe, Symbol für Lebendigkeit, für Stärke und positive Energie, begleitet Sie durch die Lektüre. Und vermittelt gleichzeitig, dass von Ausbeutung Betroffene eine Kraft in sich tragen, die sie mit kundiger Begleitung wiederentdecken können.

CASTAGNA hat 2013 erneut in rund 1 100 Fällen Betroffene und Angehörige beraten und sie auf dem Weg in ein nicht länger von Angst und Leid dominiertes Leben unterstützt. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein können Sie dazu beitragen, dass die Arbeit von CASTAGNA weiterhin sichergestellt ist. Für Ihr Engagement danken wir Ihnen herzlich.

Haben Sie schon unseren neuen Internetauftritt gesehen? Nach acht Jahren war es an der Zeit, CASTAGNA ein frisches Gesicht zu geben, damit das Know-how der Beratungs- und Informationsstelle auch auf diesem Weg optimal verbreitet werden kann. Das Team blickt mit Stolz auf die gemeinsam konzipierte, äusserst schön gelungene Lösung.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
CASTAGNA 20 Jahre
Jubiläumsausgabe
Themenheft 2012 / Jahresbericht 2011
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CASTAGNA wird 20! Mit diesem Jubiläumsheft werfen wir einen Blick zurück auf die vergangenen zwei Jahrzehnte. Zu erzählen gibt es viel. Denn 20 Jahre CASTAGNA, das ist die Geschichte einer engagierten Aufbauarbeit und der erfolgreichen Etablierung einer Fachstelle. Und gleichzeitig eine Geschichte, die weit über den Rahmen dieser Institution
hinausweist, weil sich in ihr gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln.
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Offiziell begann alles am 11. Mai 1992, dem Tag, an dem die neu gegründete Beratungs- und Informationsstelle an der Stauffacherstrasse in Zürich ihre Tore öffnete.

Aber auch ein Anfang hat eine Vorgeschichte. Und diese begann drei Jahre früher. 1989 war ein bewegtes Jahr. In Deutschland fiel die Mauer, in der Schweiz brach die Fichenaffäre los und über eine Million Stimmbürgerinnen und  Stimmbürger sagten Ja zur Abschaffung der Armee. Sexuelle Ausbeutung in der Familie war jedoch noch weitgehend  tabuisiert; wer darauf hinwies, wurde abwertend als Emanze tituliert.

1989 also gründeten Fachfrauen in Zürich eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, eine Beratungs- und Informationsstelle für von sexueller Ausbeutung Betroffene zu schaffen. Es sei nicht einfach gewesen, für ein Thema einzutreten, von dem niemand etwas hören wollte, schreibt eine von ihnen in diesem Heft. Aber: «Wir diskutierten mit heissen Köpfen und offenen Herzen – streitlustig, empört, wütend, freudig und voller Begeisterung, endlich etwas bewirken zu wollen.» Das war die eigentliche Geburtsstunde von CASTAGNA.

Dass es CASTAGNA, diesen «Leuchtturm in der Schweizer Landschaft mit Wirkung weit darüber hinaus» (Seite 16) nun schon so lange gibt, gehört gebührend gefeiert. Neben reflektierenden Rückblicken auf die letzten zwei Jahrzehnte, verfasst von einstigen und heutigen Teamfrauen, findet sich auf den nächsten Seiten deshalb ein eigentlicher Gratulationsreigen: Beiträge von Klient(inn)en, die mit der Begleitung von CASTAGNA zurück zu Stärke und Lebensmut gefunden haben, Texte von Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft, von Fachleuten aus Therapie, Medizin und Recht. Sie erzählen von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit CASTAGNA, geben Einblick in ihre Tätigkeit, fassen wichtiges Wissen zusammen und präsentieren neue Forschungsresultate.

20 Jahre CASTAGNA – das ist auch die Geschichte einer kontinuierlichen Wissenserarbeitung und -verbreitung, zum Wohl der von sexueller Ausbeutung betroffenen Kinder und Jugendlichen. Das macht uns froh und stolz.

Und nun gehen wir voran in die Zukunft! Wenn Sie unsere Stelle aktiv unterstützen möchten: Der Förderverein CASTAGNA bietet Ihnen die Möglichkeit dazu. Ihr Beitritt würde uns freuen.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Traumatisierte Kinder
Themenheft 2011 / Jahresbericht 2010
CHF 10.– bestellen
Kinder können wahre Überlebenskünstler sein, wenn es darum geht, sich in einem von schmerzlichsten Erfahrungen geprägten Alltag Momente zu schaffen, die von positiver Energie erfüllt sind – mentale Kraftriegel sozusagen. Als Mädchen habe sie unterwegs mit dem Velo jeweils eine Leichtigkeit gespürt, die sie sonst nicht gekannt habe, erinnert sich eine Klientin von CASTAGNA in einem Beitrag dieses Themenhefts. «Auf dem Fahrrad hörte ich in meinem Innern schöne, sanfte Musik. In dieser Welt konnte ich mich manchmal entspannen und erholen.».
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Die Fähigkeit, sich trotz negativster Erfahrungen zu entwickeln respektive sich von diesen zu erholen, gleicht einem Pflänzchen, das Dünger benötigt, um sich voll entfalten zu können. Fachleute nennen dieses Pflänzchen «Resilienz» und den Dünger «korrigierende Erfahrungen». Um beides geht es im vorliegenden Themenheft, das sich mit den Ursachen und Auswirkungen von Traumata im Kindheitsalter sowie ihrer Erkennung und Behandlung beschäftigt.
Die Lektüre der folgenden Beiträge ermöglicht einen Blick auf ein weites Feld: Traumata können unterschiedlichste Ursachen haben, vom Autounfall über Vernachlässigung bis zu sexuellem Missbrauch. Traumata können durch ein einziges markantes Erlebnis oder durch sich wiederholende «kleine» Ereignisse ausgelöst werden. Traumata können jederzeit entstehen, auch bei Säuglingen, auch beim ungeborenen Kind im Mutterleib. Für ein Trauma ist leider niemand zu jung.
Der Weg zu seiner Überwindung ist immer lang und anspruchsvoll – für die Betroffenen selbst, aber auch für ihre Bezugspersonen. Diesen kommt grosse Bedeutung zu, sind sie es doch, die traumatisierten Kindern in ihrem Alltag korrigierende Erfahrungen ermöglichen können. Ihre Freundlichkeit, ihre Verlässlichkeit, ihre Ermutigung und Klarheit sind wertvoller Dünger für die Ressourcen, die Kinder trotz Trauma in sich tragen. Allerdings ist ihre Aufgabe alles andere als einfach, da traumatisierte Kinder aus ihrer Not heraus oft anstrengende Kinder sind – fordernd, unausgeglichen, zu destruktivem Verhalten neigend.
Deshalb ist fachkundige Unterstützung wichtig, durch Psychiaterinnen, Psychologen, Therapeutinnen. Wie gross der Bedarf danach ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Rund 1100 Fälle wurden vergangenes Jahr auf der Beratungs- und Informationsstelle CASTAGNA verzeichnet. Hinter jedem Fall stecken Menschen, die auf Rat und kompetente, geduldige Begleitung angewiesen sind, um die eigene Kraft wiederfinden und entfalten zu können. Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein können Sie die Arbeit von CASTAGNA unterstützen. Für Ihr Engagement danken wir Ihnen.
Danken möchten wir an dieser Stelle auch Emilia, 5-jährig, nicht traumatisiert, deren schöne Zeichnungen dieses Themenheft schmücken.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Beratung von traumatisierten Jugendlichen
Themenheft 2010 / Jahresbericht 2009
CHF 10.– bestellen
Manchmal sind es sogenannte Details, die besonders intensiv haften bleiben. So ist es mir bei der Lektüre der Beiträge ergangen, die Sie auf den folgenden Seiten finden. Beratung von traumatisierten Jugendlichen – das Thema deckt ein sehr breites Spektrum von Erfahrungen, Problemstellungen und Lösungsansätzen ab. Wenn ich mir überlege, welche Aspekte ich in diesem Vorwort aufgreifen möchte, als erste, kurze Annäherung ans grosse Thema, dann sind es einzelne Mosaiksplitter, die mir in den Sinn kommen.
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Da ist etwa das von sexueller Ausbeutung betroffene Mädchen, dessen viel zu knapp sitzende BH-Träger ihm die Schultern blutig gescheuert haben und das seine Verletzungen erst wahrnimmt, als die Bezugsperson es darauf hinweist – so fremd und abgespalten ist ihm der eigene Körper. Da ist das Bild von den Angst einflössenden «kleinen Wellen», die sie immer wieder einholen, um dann unvermittelt ganz über sie zu schwappen, das eine jugendliche Klientin von CASTAGNA für ihre traumatischen Erinnerungen gefunden hat. Und da ist die freudige Feststellung einer anderen jungen Frau, dass die seelische Wunde verheilt sei; was bleibe, sei eine sensibel reagierende Narbe, die der Pflege bedürfe.

Verletzung, Schrecken, Verlorenheit, Kraft und Hoffnung – all das liegt nah beieinander in den Beiträgen dieses Themenhefts. Eine grosse Bandbreite intensiver Gefühle – so wie es auch in der Adoleszenz der Fall ist, jener Lebensphase, in der für die Jugendlichen kaum ein Stein auf dem andern bleibt, weil die Umgestaltung ihrer selbst, ihres Lebens so umfassend ist. Wenn sie in dieser fragilen, fordernden Übergangszeit sexuelle Ausbeutung erleben oder früher erfolgte Übergriffe verarbeiten müssen, ist das eine schwerstwiegende Doppelbelastung. Sucht, Essstörungen, Selbstverletzungen können die Folgen sein. Aber gleichzeitig sind da auch viel Energie, viel Mut, viel Lebenswille.

Rund ein Drittel der Personen, die nach sexueller Ausbeutung CASTAGNA aufsuchen, sind im Jugendalter. Ihnen ist  passiert, was eine Psychologin in diesem Themenheft «überdosierte Erlebnisse verlorener Selbstkontrolle und Erfahrungen des Beherrschtwerdens» nennt. Dass sie im Gespräch mit der Beraterin das erfahren können, was ihnen ein erstes Stück auf ihrer ganz persönlichen Reise Richtung Verarbeitung weiterhilft, hat mit der Fachkompetenz und dem Engagement der  Mitarbeiterinnen von CASTAGNA zu tun, aber auch mit der von Zuversicht geprägten, herzlichen Atmosphäre bei der  Beratungsstelle. «Wir sind auf einem guten Weg», heisst es im Tätigkeitsbericht. Wenn Sie die Fachfrauen dabei begleiten und unterstützen möchten: Der Förderverein CASTAGNA hat genau diese Aufgabe. Über eine Mitgliedschaft würden wir uns freuen.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Sexuelle Ausbeutung und Strafanzeige
Themenheft 2009 / Jahresbericht 2008
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Als ihre Mutter seinerzeit zum Telefon gegriffen und dem Täter gesagt habe, jetzt sei fertig, sonst hole sie die Polizei, da habe ihr das Wort «Polizei» gutgetan, erzählt eine Klientin von CASTAGNA in einem Beitrag dieses Themenhefts. Denn: «Wenn man die Polizei holt, muss etwas Schlimmes passiert sein.» Das Wort habe die Dinge – den sexuellen Missbrauch durch den Onkel – endlich ins richtige Verhältnis gerückt.
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Was geschieht, wenn sich Opfer sexueller Ausbeutung an die Polizei wenden und damit ein Verfahren gegen den Täter auslösen, darum geht es auf den folgenden Seiten. Neben CASTAGNA erzählen JuristInnen, TherapeutInnen, Vertreter der Strafermittlungsbehörden, weitere Fachpersonen sowie Betroffene von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. Wann kann Opfern zu einer strafrechtlichen Aufarbeitung geraten werden, wann nicht? Was können sie davon erwarten, was nicht? Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Eine Anwältin zieht ein insgesamt positives Fazit. Sie erlebe immer wieder, dass sich Opfer im Laufe des nicht selten Jahre dauernden Verfahrens «zu eigenständigen, selbstbewussten und unabhängigen Personen entwickeln, dass das Erlittene nicht mehr im Zentrum ihres Erlebens steht und – unabhängig vom Verfahrensausgang – ein Stück Bewältigung stattgefunden hat».

Der Weg dahin ist für Betroffene allerdings alles andere als einfach. Davon zeugen in den Texten dieses Themenhefts immer wieder auch scheinbare Details: etwa die Akribie der Ratschläge für die Spurensicherung, die Nüchternheit der Videobefragungsräume oder die Wichtigkeit der Glücksbringer, welche Klientinnen als Trost und Halt an Einvernahmen mitnehmen. Sich auf ein Strafverfahren einzulassen, sei ein «Gang in eine fremde Welt» gewesen, sagt eine Mutter in ihrem Erlebnisbericht. Entsprechend wichtig ist eine kompetente Begleitung. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle CASTAGNA sind vergangenes Jahr 243 Jugendlichen, Frauen und Bezugspersonen von Kindern vor und nach dem Gang zur Polizei unterstützend zur Seite gestanden.

2008 war ein intensives Jahr für CASTAGNA: personelle Wechsel im Team bei unverändert hoher Fallzahl. Nicht zuletzt dank gut eingespielter Zusammenarbeit mit externen Fachleuten – unter anderem der Polizei – können die Mitarbeiterinnen dennoch auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, in dem auch Neues wachsen konnte, etwa ein Angebot wie die traumaspezifische Weiterbildung für BeraterInnen, welche Ende August 2009 startet.

Wenn Sie tatkräftig zur Weiterentwicklung der Beratungsstelle beitragen möchten: Der Förderverein CASTAGNA freut sich auf weitere Mitglieder. Wir danken Ihnen für Ihr Engagement.

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Beratung und Trauma
Themenheft 2008 / Jahresbericht 2007
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Zwei Personen sitzen sich beim Beratungsgespräch gegenüber und setzen sich mit Erlebnissen und Gefühlen von grosser Intensität auseinander – mit der Wucht eines Traumas und seinen Folgen. Was heisst das für die beiden, die sich da begegnen? Was löst das bei ihnen aus? Wie gehen sie damit um? Teilen und abgrenzen, mitschwingen und entgegenhalten
– zwei Seiten, zwei Erlebensweisen, die sich ergänzen. Darum geht es auf den folgenden Seiten.
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Wie sie die Beratung erlebt haben, erzählen in diesem Jahresbericht sechs Frauen, die sich mit Unterstützung des CASTAGNA-Teams an die Aufarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen gewagt haben (Jahresbericht Seiten 4 bis 11). Ihnen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt – für ihre Offenheit, ihre Differenziertheit und ihren Mut. Ihre Beiträge zeigen, wie vielschichtig die Auswirkungen von Traumata sind, wie wichtig eine kompetente Begleitung ist. Dass der Weg durch Schmerz und Hoffnung, Weinen und Lachen ein Weg zu sich selbst ist, davon zeugt unter anderem diese Erkenntnis einer Klientin*: «Wichtig ist einfach, dass ich mich getraue, es so zu machen, wie ich es für richtig halte, dass ich den inneren Ängsten und äusseren Widerständen standhalte.» Ein Prozess, der nie abgeschlossen ist, sondern immer weitergeht.

Weil die Auswirkungen der Beratung traumatisierter Menschen auf die Helferin/den Helfer ein Thema ist, das sonst eher selten zur Sprache kommt, gehen gleich zwei Texte darauf ein. In den insgesamt acht von Fachleuten verfassten Berichten (Themenheft Seiten 4 bis 25) geht es um den mit (Selbst-)Erfahrung und Know-how «prall gefüllten Koffer», den sie
in die Beratungssituation mitbringen. Ein Koffer, in dem auch Methoden Platz haben müssen, die das eigene Wohlbefinden sichern – wie zum Beispiel das Führen eines «Freudetagebuchs», das die Freudefähigkeit der Beraterin fördert und ihr ermöglicht, diese Erfahrung den Klientinnen zu vermitteln. Denn Heilung hat auch viel damit zu tun, die hellen, fröhlichen Seiten des Lebens erspüren und erleben zu können.

2007 wurde CASTAGNA von 1191 Kindern, weiblichen Jugendlichen und in der Kindheit betroffenen Frauen respektive von Angehörigen der Betroffenen aufgesucht. Ihre fachgerechte Beratung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit externen Therapeuten/-innen, Sozialarbeitern/-innen, Anwälten/-innen, Ärzten/-innen, Untersuchungsbehörden sowie anderen Beratungseinrichtungen. Diese stetig wachsende interdisziplinäre Kooperation trägt wesentlich dazu bei, dass CASTAGNA das anspruchsvolle Arbeitspensum bewältigen kann. Wenn Sie die Tätigkeit der Beratungsstelle ebenfalls unterstützen möchten: Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein CASTAGNA werden Sie Teil des grossen CASTAGNA Unterstützungsnetzes. Wir freuen uns auf Sie!

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort
Sexuelle Übergriffe unter Geschwistern
Themenheft 2006 / Jahresbericht 2005
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In diesem Heft geht es um die «am wenigsten erforschte, aber wahrscheinlich häufigste Form von Inzest». So beurteilen Fachleute sexuelle Übergriffe unter Geschwistern. Dass CASTAGNA diesem Thema auf den folgenden Seiten Raum bietet, ist richtig und wichtig. Denn auch heute noch wird Geschwisterinzest stark tabuisiert und oft als harmloses «Doktorspiel» bagatellisiert. Dabei ist er stets mit grosser Not verbunden und hat gravierende Folgen – für das Opfer, das tätliche Kind, die ganze Familie.
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Was unterscheidet sexuelle Übergriffe unter Geschwistern von «Doktorspielen»? Weshalb kann es dazu kommen? Welches sind die familiären Hintergründe? Wie soll reagiert werden? Marie-Louise Pfister und Regula Schwager gehen in ihren Beiträgen (siehe Seiten 4 bis 13) diesen und weiteren wichtigen Fragen nach. Fest steht: Auch bei Geschwisterinzest steht der Schutz des Opfers an erster Stelle.

Die Mitarbeiterinnen von CASTAGNA begegnen in ihrer Arbeit immer wieder Kindern und Jugendlichen, die jahrelang Übergriffen von seitens eines oder mehrerer Geschwister ausgesetzt waren. Dass Geschwisterinzest so lange unerkannt bleiben kann, hat auch damit zu tun, dass die Aufdeckung für betroffene Eltern in der Regel mit einer existenziellen  Verunsicherung einhergeht. Im Erfahrungsbericht auf Seite 14 erzählt eine Mutter vom schmerzvollen Prozess des  Erkennens, dass sie sich bezüglich ihrer Familie an einem Familienbild festgeklammert hatte, das real gar nicht existierte. Nicht nur die Kinder brauchen kompetente Unterstützung, sondern auch ihre Eltern.

Das konkrete Vorgehen bei Geschwisterinzest, auch im Hinblick auf das tätliche Kind, steht im Zentrum des Interviews mit Fred Haslimann von der Jugend- und Familienberatung Dübendorf (siehe Seite 16). Er betont unter anderem den  Stellenwert, der spezialisierten Fachstellen bei der Betreuung betroffener Kinder und Eltern zukommt, sofern sie ihre Haltung zum Thema klar deklariert haben – so wie es CASTAGNA mit diesem Themenheft tut.

Im Tätigkeitsbericht 2005 (siehe Seite 20) finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse und Themen des vergangenen Jahres. Es stand ganz im Zeichen der Veränderung: neue Organisationsform, neue Leistungsvereinbarung mit dem Kanton, verstärkte Bestrebungen im Bereich Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit. CASTAGNA ist unterwegs, innovativ und engagiert. Wenn Sie uns auf unserem Weg begleiten möchten: Mit einer Mitgliedschaft im Förderverein können Sie uns ideell und finanziell unterstützen. Einen Anmeldetalon finden Sie auf Seite 25. Wir würden uns freuen, Sie dabei zu haben!

Ursula Binggeli – Vorstand Beratungsverein CASTAGNA, Vorwort